Zettelkataloge: Eine kleine Geschichte der Karteikarte
Lose Zettel haben im Gegensatz zu den fest gebundenen Seiten eines Buchs einen wesentlichen Vorteil: Neu angelegte Zettel können in sie leicht einsortiert werden. Sie wurden daher bereits sehr früh von Gelehrten als Hilfsmittel für ihre wissenschaftliche Arbeit verwendet; Auszüge aus anderen Büchern, sogenannte Exzerpte wurden auf Blättern notiert. Zur Aufbewahrung dieser Zettel wurden zuweilen sehr aufwändige Möbel, sogenannte Zettelkästen angefertigt. Auch Konrad Gessner verwendete für die Erstellung seiner Bibliotheca Universalis lose Zettel, und an der Universitätsbibliothek Wien wurden in den 1770er Jahren Zettel verwendet, um die Titelangaben von Büchern darauf niederzuschreiben. Diese Zettel sollten jedoch nur als Zwischenspeicher dienen, als Hilfsmittel für die Anlage eines Bandkatalogs.Ein umfangreiches Katalogisierungsprojekt mittels Zetteln wurde in Frankreich während der Revolution begonnen: Um die große Menge konfiszierter Bücher zu verzeichnen, wurden die Titelangaben auf die Rückseiten von Spielkarten geschrieben, die für diesen Zweck in schmale Streifen zerschnitten wurden. Insgesamt wurden auf diese Weise mehr als eine Million Karten angelegt, jedoch wurde dieses Projekt nie vollendet.
