Exposé und Gliederung

Das Exposé erstellen Sie noch vor der ersten konkreten Arbeit an einem wissenschaftlichen Artikel und schaffen sich damit einen Arbeitsplan. Es stellt auch Ihren Dozent*innen oder Auftraggeber*innen den Arbeitsplan für den bevorstehenden Text sowie die voraussichtlichen Inhalte vor. Sie müssen im Exposé bereits ihre Forschungsfrage vorstellen, einen Ausblick auf Hypothesen sowie Methoden und zumindest eine grobe Gliederung der Arbeit bekanntgeben. 


Eigenschaften

Das Exposé beschreibt Ihr Forschungsvorhaben. Dabei dient es nicht nur Ihren Betreuer*innen als Arbeitsplan, sondern auch Ihnen selbst. Es muss bereits in adäquater Wissenschaftssprache ausformuliert sein, sollte also kein grobes Handout oder unfertige Skizze darstellen. Ihr Thema und die damit einhergehende Fragestellung sollten bereits feststehen, ebenso erste Hypothesen bzw. Grundannahmen. Gleichzeitig informieren Sie im Exposé darüber, was Sie bei Ihrer bisherigen Recherche beispielsweise über den Forschungsstand herausfinden konnten. Spätestens im Exposé sollten Sie sich zusätzlich Gedanken über die Grundzüge Ihrer Gliederung machen. In welchen Schritten wollen Sie vorgehen und wie spiegelt sich dies im Aufbau der Arbeit wider? Der Vorteil des Exposés ist, dass Sie einige Teile in die fertige Arbeit übernehmen können. Die  Eigenschaften des Exposé decken sich beispielsweise häufig mit jenen der Einleitung decken. Das bedeutet, durch das Exposé produzieren Sie bereits den ersten Rohtext. Allerdings ist dieser nicht in Stein gemeißelt. Während Ihrer weiteren Arbeit verändern sich womöglich gewisse Thesen, Kapitelstrukturen, oder ähnliche Aspekte, die ohne eine vertiefende Recherche nicht vorhergesagt werden können. Dahingehend wird Ihr Exposé bis zum Abschluss gewisse Änderungen benötigen.

Essentielle Inhalte im Exposé

Thema und Fragestellung

Hypothesen und Thesen

Quellen und Methoden

Grobe Gliederung oder Inhaltsverzeichnis

Forschungsstand und Referenzwerke

Was kann nicht gemacht werden?

Definitionen und wichtige Begriffe

Interessen und mögliche Aktualität des Themas

Beispiele für ein Exposé

 

Anbei finden Sie ein Exposé zur Arbeit "Gabriela Riha, Das Phänomen der Bettgeher in Wien Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts" sowie hier einen Ausschnitt:

[...] Ich möchte untersuchen, ob das Wohnen als Bettgeher– wie ich meine - ein überwiegend männliches Phänomen war und Frauen einen kleineren Anteil an Bettgehern stellten als Männer. Für diese Hypothese spricht, dass sie – sofern sie erwerbstätig waren - oft als Dienstmädchen arbeiteten, womit in den meisten Fällen ein Recht auf Kost und Logis im Dienstgeberhaushalt verbunden war. Für Frauen mit Kindern ist diese Form des Wohnens schon aus praktischen Gründen schwer bis gar nicht vorstellbar, stand der Schlafplatz ausschließlich lediglich für einen bestimmten Zeitraum des Tages, meist für die Nacht, zur Verfügung, womit sich die Frage nach der Unterbringung und Versorgung von Kindern während der restlichen Zeit stellt. Ich möchte die ökonomischen und sozialen Ursachen und Gründe für diese Form des Wohnens in Wien um 1900 sowie allfällige diesbezügliche Veränderungen untersuchen; daraus lassen sich Schlüsse ziehen und Gründe finden, die für oder gegen eine geschlechtsspezifische Akzeptanz beziehungsweise Notwendigkeit und damit Verbreitung dieser Form des Wohnens sprechen können. [...]

Hier ein Exposé zu einer Arbeit über "Hedwig Dohm":

Vorreiterin für Frauenrechte, feministische Theoretikerin, Autorin, Essayistin, Mutter und Ehefrau. Diese Bezeichnungen - und viele mehr – sind der Versuch ein Bild von Hedwig Dohm zu zeichnen. Ob schon viele ihrer Ziele erreicht sind, so haben ihre Schriften auch heute noch eine wichtige Funktion: Sie zeigen wofür FrauenrechtlerInnen gegen Ende des 19.und Anfang des 20. Jahrhunderts kämpften, welchen persönlichen und gesellschaftlichen Schwierigkeiten sie sich dabei gegenübergestellt sahen und können gleichzeitig auch für die heutige Zeit Denkanstöße dazu bieten, was sich in den über 100 Jahren seit dem Tod der Autorin in Sachen Gleichberechtigung getan hat.

Welche Bedeutung hatten die Werke Hedwig Dohms ganz konkret zu ihren Lebzeiten? Können ihre Schriften womöglich als Leitmedium für FrauenrechtlerInnen der Jahrtausendwende gesehen werden? Wie wurden ihre Werke rezipiert und welche hatten wohl den größten Einfluss auf die Berliner Gesellschaft des späten 19. Jahrhunderts? [...]

Dieser Ausschnitt stammt aus einer noch nicht betitelten Arbeit über "Tierhetze":

[...] Für die Analyse möchte ich hauptsächlich Hetzzettel aus den Jahren 1790 bis 1796
heranziehen, die Tierhetzen im „k.-k. privilegierten Hetzamphitheater unter den
Weißgerbern“ bewerben. Daraus ergibt sich eine zeitliche und räumliche Eingrenzung der
Aussagekraft meiner Untersuchungen, die demnach nur für das k.-k. privilegierte Hetztheater und das Ende des 18. Jahrhunderts gelten. Die Methode, mit der ich die Hetzzettel hinsichtlich ihrer rhetorischen Spezifika untersuchen werde, ist die qualitative Inhaltsanalyse. Werner Früh beschreibt die Inhaltsanalyse als „eine empirische Methode zur systematischen, intersubjektiv nachvollziehbaren Beschreibung inhaltlicher und formaler Merkmale von Mitteilungen, meist mit dem Ziel einer darauf gestützten interpretativen Inferenz auf mitteilungsexterne Inhalte“. 3 Der Anspruch meiner Analyse ist es, die tierethische Geisteshaltung, die den Schriftstücken zugrunde liegt, offenzulegen und in Verbindung mit der aufklärerischen Tierethik zu setzen. [...]

Ein weiteres Exposé können Sie zu "Gerhard Jantscher, Der öffentliche Diskurs im ausgehenden 19. Jhd. zur Reform des Heimatrechts 1896" einsehen.

[...] Die Basis für die Arbeit werden neben der unten angeführten aktuellen Literatur vor allem Veröffentlichungen im Zeitraum 1890-1900 sein. Die Gesetzesreform hatte in der
zeitgenössischen Diskussion hohe Aufmerksamkeit und findet ihren Niederschlag in diversen – juristischen, volkswirtschaftlichen, verwaltungstechnischen oder statistischen – Veröffentlichungen in Fachzeitschriften ebenso wie in politischen Schriften und in der
Tagespresse. Eine Recherche in der Zeitschriftensammlung der ONB/ANNO ergibt für den
Zeitraum 1890-1900 für die Schlagwörter „Heimatrecht“ (640), „Heimatschein“ (2220),
„Ersitzung“ (2088) und Abschiebung (949) Treffer.

Die Arbeit wird sich in vier Teile gliedern:
1. Einleitende kurze Beschreibung der Entwicklung des Heimatrechts vom
provisorischen Gemeindegesetz von 1849 bis zur Reform 1896.
2. Analyse der Gründe für die wachsende Reformbedürftigkeit der Heimatgesetzgebung
3. Die wesentlichen Akteure im Reformprozess und deren Interessenslagen und
öffentlichen Argumentationslinien
4. Resümee

Gliederung

Zwar muss Ihr Exposé noch nicht zwingend ein konkretes Inhaltsverzeichnis aufweisen, aber zumindest grobe Arbeitsschritte ankündigen. Aus diesen können Sie aber womöglich bereits präzisere Gliederungs- und Kapitelstrukturen ableiten. Die Art der Gliederung Ihrer Argumentationspunkte hängt vom Thema ab - jedenfalls wird es immer ein Einleitungs- und Schlusskapitel geben. Bei Ihrer Analyse im Hauptteil sollten Sie gleichzeitig systematisch Ihre Fragestellung abhandeln. Bei kurzen Kurs- oder Proseminararbeiten brauchen Sie womöglich nicht viele Kapitel und können ihre Arbeitsschritte klar durchnummerieren.

 

1. Einleitung

2. Ereignis 1

3. Ereignis 2

4. Analyse

5. Schlussfolgerungen

6. Literatur

 

Historische Arbeiten bieten oft einen chronologischen Aufbau an. In anderen Texten ist es womöglich sinnvoller, unterschiedliche Quellen in aneinanderfolgenden Kapiteln zu bearbeiten. Oder vielleicht nutzen Sie einzelne Kapitel für die unterschiedlichen Analyseschritte einer einzelnen Quelle. Ihr Aufbau könnte auch raumbezogen sein, also ein Phänomen z.B. über verschiedene Regionen betrachten, die je ein Kapitel einnehmen. Oder Sie stellen Vergleiche an und analysieren die gegenübergestellten Aspekte in verschiedenen Kapiteln oder Unterkapiteln. Orientieren Sie sich an der Art ihrer Fragestellung sowie Methode. Möglicherweise bietet es sich an, mit einem Kapitel zur grundlegenden These zu beginnen, während nachfolgende Kapitel dieselbe These anhand von konkreten Beispielen analysieren. Oder führen Sie umgekehrt mit kontextualisierenden Kapiteln zur abschließenden These hin. Überlegen Sie sich anhand der Regeln der Argumentation, welcher Aufbau für ihr Thema am geeignetsten ist. 

 

Bei komplexeren Analysen ergibt es jedenfalls Sinn, nicht nur aus den Hauptproblemen Ihrer Frage Kapitel zu machen, sondern zudem Unterprobleme oder Teilargumente in Unterkapitel umzuwandeln. Das heißt, Sie bilden eine Baumstruktur.

 

1. Ereignis

1.1. Vorgeschichte

1.2. Hauptereignis

2. Quelle

         2.1. Entstehungskontext

         2.2. Inhaltliche Analyse

         2.3. Rezeption

3. Conclusio

4. Literatur

 

Wenn Sie neue Unterkapitelstrukturen öffnen, beginnen Sie die Zählung im Inhaltsverzeichnis mit der Eins. Mit einem gut aufgebauten Inhaltsverzeichnis kann man innerhalb des Textes explizit auf andere Stellen verweisen, um den Roten Faden zu unterstreichen. Manche Arbeiten sind daher noch kleinteiliger aufgebaut - in Kapitel, Pragraphen und Unterparagraphen.

 

1. Hauptteil

 1.1. Teilanalyse

    1.1.1. Quelle und Kontext

    1.1.2. Quelle und Rezeption

 1.2. Zweite Teilanalyse

2. Schlussteil

 

Sie sollten sich jedoch genau überlegen, ob Sie eine derart kleinteilige Struktur erstellen wollen. Denn möglicherweise verlieren nicht nur die Leser_Innen, sondern auch Sie selbst den Überblick. Die Logik des Aufbaus muss zudem immer klar ersichtlich bleiben, also beispielsweise, dass 2.1.3. schlicht ohne 2.1.2. nicht denkbar ist.

Wenn Sie noch kein Exposé oder kein grobes Inhaltsverzeichnis schreiben können, zeigt dies, dass Sie womöglich noch keine klare Vorstellung vom Zweck oder den Zielen der Arbeit haben. Das ändert jedoch nicht, dass sich die Inhalte des Exposés oder erste Inhaltsverzeichnisse stark verändern können. Wenn Sie vertiefend zu forschen beginnen, kann dies sehr leicht passieren und ist völlig normal.

Aufbau allgemein

Der größte Bestandteil Ihres Textes wird sich in eine Einleitung, einen Hauptteil und die Conclusio, also das Schlusskapitel, aufteilen. In der Einleitung stellen Sie ein Vorhaben vor, das Sie im Hauptteil ausführlich argumentieren und in der Conclusio schlussfolgernd zusammenfassen.

Haben sie keine Angst vor "Spoilern"! Bereits in der Einleitung muss ersichtlich sein, welche Annahmen oder Hypothesen Sie verfolgen, mit welchen Methoden und Quellen diese hergeleitet werden, an welchen Forschungsstand Sie anknüpfen, oder zu welchen Erkenntnissen Sie letztendlich kommen wollen. Sie sollten zudem erläutern, wie Sie dabei vorgehen werden, indem Sie eine Vorschau auf die Kapitelstruktur geben. Begründen Sie hier zudem, wieso manche Aspekte in Ihrer Gliederung nicht vorkommen, weil diese womöglich den Rahmen der Fragestellung und Methode überschreiten. 

Im Hauptteil diskutieren Sie die in der Einleitung vorgestellten Problematiken, Phänomene, oder Quellen, etc., vertiefend. Dabei folgt Ihre Argumentation idealerweise einem roten Faden, um die Fragestellung zu beantworten und Ihre Thesen überzeugend herzuleiten, zu belegen und zu verteidigen. Je nach Fragestellung wird der Aufbau des Hauptteils unterschiedlich sein. Für viele historische Arbeiten bietet sich eine chronologische Aufarbeitung an. Andere Texte befassen sich womöglich mit einem größeren Quellenkorpus, dessen Inhalte über dezidierte Kapitel behandelt werden. Manche Gliederungen ergeben sich womöglich aus der gewählten Methoden zur Analyse (beispielsweise wenn Sie eine bildliche Quelle analysieren und dafür jeweils einen Abschnitt für Inhalt, Produktionskontext sowie Rezeptionsgeschichte schreiben müssen).

Im Schlussteil fassen Sie zusammen, wie Ihre Arbeit die Fragestellung beantwortet hat, welche wichtigen Erkenntnisse dadurch entstanden sind, oder auch, was offen bleiben musste.