Schreibwerkstatt - Exposé und Gliederung finden

Füllen Sie den folgenden Fragebogen getreu aus. Die Ergebnisse können Sie leicht in ein fertiges Exposé umwandeln. Es bietet sich an, zuvor die Übung "Dreischritt" aus der Schreibwerkstatt zur Forschungsfrage zu machen und daran mit diesem Fragebogen anzuschließen. Anschließend können Sie versuchen, anhand einer Mindmap Ihre Gedanken in die Richtung eines Inhaltsverzeichnisses zu visualisieren. 


Fragenbogen

Was interessiert Sie am Thema und warum? (2 - 3 Sätze)

 

Welche Frage möchten Sie mit der Arbeit beantworten? (1 Satz)

 

Welche Ergebnisse streben Sie an, oder welche Grundannahmen und Hypothesen haben Sie bereits? (2 - 3 Sätze)

 

Wie möchten Sie an das Thema methodisch herangehen?

 

Wie wollen Sie im Einzelnen vorgehen? Was machen Sie zuerst? Was dann? Wie gehen Sie methodisch vor? Welche zentrale Literatur wollen Sie verwenden?

 

In welchem Gebiet der Geschichtswissenschaft ist Ihre Untersuchung angesiedelt?

 

Welches Problem wollen Sie durch Ihre Untersuchung lösen?

 

Wie wollen Sie es lösen?

 

Welche anderen Probleme gibt es in dem Untersuchungsgebiet - die Sie sehen, aber nicht eigens behandeln?

 

Warum ist es interessant oder wichtig, Ihrer Forschungsfrage nachzugehen?

 

Ist jemand bereits dieser Frage oder einer ähnlichen nachgegangen? Zu welchem Ergebnis kamen bisherige Untersuchungen?

 

Mit welchen Methoden wurde in diesen anderen Texten gearbeitet?

 

Falls Ihre Frage so noch nicht gestellt wurde: Welche Probleme aus dem Untersuchungsgebiet wurden bisher behandelt und mit welchen Methoden?

 

Mit welchen Methoden behandeln wiederum Sie Ihre Frage? Ziehen Sie neben geschichtswissenschaftlichen Methoden auch interdisziplinäre heran?

 

Wie verläuft die (grobe) Gliederung Ihrer Arbeit?

 

Was wollen Sie unter den größten Gliederungspunkten leisten?

 

Welcher Gliederungspunkt ist die Hauptsache? 

Fragenkatalog adaptiert auf Grundlage des Arbeitsblattes "Kreuzverhör zur Präzisierung der Fragestellung", Schreibzentrum der Ruhr-Universität Bochum.

Mindmaps

Ein Exposé muss nicht zwangsweise bereits ein Inhaltsverzeichnis beinhalten. Sie können dennoch versuchen, aus dem bisher Geschriebenen eine inhaltliche Struktur abzuleiten. Manchen hilft dabei eine Visualisierung anhand eigens erstellter Mindmaps. In der Schreibwerkstatt zur Themenfindung wurde das sogenannte Clustering vorgestellt. Dieses sieht zwar ähnlich aus wie eine Mindmap, aber basiert vor allem auf schnellen assoziativen Gedankengängen. Die Mindmap wiederum planen Sie mit mehr Sorgfalt und können sich dabei mehr Zeit nehmen. Für Mindmaps zeichnen Sie mit Begriffen oder Phrasen Strukturen auf ein großes Blatt Papier, um Inhalte zu visualisieren. So können Sie beispielsweise für Ihre erste Planung des Inhaltsverzeichnisses vorgehen.

Sie sollten Kernpunkte Ihrer Gliederung bereits ausgearbeitet haben, wenn Sie ein Exposé anhand des obigen Fragebogens erstellen. Große Kapitel sollten Sie damit bereits vorgezeichnet haben. Zwischen Einleitung und Conclusio können Sie womöglich Ihre Arbeitsschritte aus dem Exposé in erste große Kapitel umwandeln. Lassen Sie in Ihrer Mindmap viel Platz zwischen diesen großen Kapiteln und versuchen nun anhand von Teilargumenten, Quellen oder anderen Arbeitsschritten Unterkapitel auszuarbeiten. Für etwaige Korrekturen bietet sich im Gegensatz zum Clustering das Schreiben mit einem Bleistift an. 

Inzwischen gibt es aber ebenso frei verfügbare digitale Werkzeuge, mit denen Sie Mindmaps erstellen können. Erwähnt seien an dieser Stelle "Freemind " und "Freeplane ".

Übung - Drehbuch für den Text

Mit der folgenden Übung können Sie sich Schritt für Schritt von den ersten Assoziationen für Ihr Thema hin zu einem strukturierten Inhaltsverzeichnis bewegen.

1. Cluster

Clustering ist eine Form des assoziativen Brainstormings. Es visualisiert Gedanken ähnlich wie eine Mindmap, ist jedoch noch nicht geordnet. Stellen Sie einen Wecker entweder auf fünf oder zehn Minuten. Schreiben Sie das Thema in die Mitte eines Blattes und umkreisen es. Ausgehend vom Thema, schreiben Sie so viele Unterpunkte, wie Ihnen zu Ihrer spezifischen Fragestellung einfallen – ebenfalls in Form von umkreisten Überbegriffen. Lassen Sie Ihren Assoziationen hier freien Lauf und versuchen Sie, nicht mit dem Schreiben aufzuhören, bis der Wecker klingelt.

2. Mindmap

Sehen Sie sich nun Ihr Cluster an und verorten Sie jene Eckpunkte, die für Ihre Struktur am wichtigsten sein könnten. Für die Mindmap nehmen Sie sich nun mehr Zeit, um die wichtigsten Inhalte des Clusters in eine geordnete visuelle Form zu bringen. Bringen Sie die wichtigsten Eck- und Unterpunkte in eine nachvollziehbare thematische Hierarchie und arbeiten klare Verbindungen heraus.

3. Nummerierung

Geben Sie der Mindmap nun Nummerierungen, die die Hierarchie des geplanten Textes sowie die Zusammenhänge der Gliederungspunkte nachvollziehbar macht. Leiten Sie aus der Nummerierung erste Kapitel und Unterkapitel oder grundlegende Strukturen ab. Erstellen Sie damit ein provisorisches Inhaltsverzeichnis.

4. Anleiten

Abschließend geben Sie die „Regieanweisungen“ für Ihr bis hierhin erarbeitetes Vorhaben. Ergänzen Sie nun für jeden Gliederungspunkt dieses vorläufigen Inhaltsverzeichnisses den folgenden Satz: „Ziel dieses Kapitels ist…“

Danach ergänzen Sie zusätzlich für jedes (Unter-) Kapitel den folgenden Satz: „Um dieses Ziel zu erreichen,…“

So können Sie sicher gehen, dass die von Ihnen erstellten Teil- und Unterkapitel eine Daseinsberechtigung besitzen. Die ausgearbeiteten Sätze können Sie zudem für die rhetorische Strukturierung Ihres Textes beibehalten.

Da diese Übung unterschiedlichste Teilaufgaben inkludiert, ist es auch möglich, Teile wegzulassen, oder nur ein paar bestimmte durchzuführen, sollte das für Ihre Arbeitsweise so Sinn ergeben.

 

Übung übernommen aus: Christian Wymann (Hg.), Praxishandbuch Schreibdidaktik. Übungen zur Vermittlung wissenschaftlicher Schreibkompetenzen 2019, 110-120.