Erste Schritte der wissenschaftlichen Recherche

Im Kontrast zur vorwissenschaftlichen Recherche können folgende Suchmethoden als wissenschaftlich bezeichnet werden:

Die Konsultation von Referenzwerken

Referenzwerke sind Nachschlagewerke, deren Beiträge in der Regel von ExpertInnen verfasst wurden und einem formellen, von WissenschafterInnen durchgeführten Redaktionsprozess durchlaufen haben. Die dort vorhandenen Informationen können somit im Gegensatz zur Wikipedia als wissenschaftlich validiert bezeichnet werden, womit selbstverständlich nicht ausgeschlossen werden kann, dass auch diese Werke Fehler enthalten.

In der Regel werden Sie auf der Homepage Ihrer Universitätsbibliothek ein Verzeichnis der wichtigsten Referenzwerke finden. Im Bereich der Geschichtswissenschaften sind zuerst folgende drei, jeweils eine Epoche abdeckende und online zugängliche Werke zu nennen: Die Enzyklopädie der Neuzeit [über u:access], das Lexikon des Mittelalters [über u:access] sowie Der Neue Pauly Enzyklopädie der Antike.[über u:access]. Im Gegensatz zur Wikipedia sind diese ursprünglich in Buchform erschienenen Nachschlagewerke nicht frei zugänglich, als eingeschriebene_r Student_in sollten Sie aber über Ihre Universitätsbibliothek bequem darauf zugreifen können. Das Nachschlagen zu einem bestimmten Thema im jeweils passenden Referenzwerk sollte für Sie so selbstverständlich sein wie das Aufrufen der Wikipedia!

Jenseits dieser drei Referenzwerke gibt es eine Reihe weiterer, oft online zugänglicher Ressourcen mit wissenschaftlichem Anspruch: Themen der Kirchengeschichte behandelt z.B. die Theologische Realenzyklopädie (TRE) [über u:uaccess] [access content/uaccess], einen marxistische Perspektive liefert das Historisch-kritische Wörterbuch des Marxismus (HKWM); es gibt die Docupedia-Zeitgeschichte, die Enzyklopädie des Holocaust, weiters ermöglichen so genannte Handbücher Zugriff auf den aktuellen Wissensstand sowie die Fachliteratur eines Themenbereichs oder z.B. zu dem Werk einer_eines Philosoph_in, als Beispiele seien genannt Das Haus in der Geschichte Europas [über u:access], das Historische Wörterbuch des Mediengebrauchs [über u:access], das Handbuch Wissenschaftsgeschichte [über u:access] oder das Benjamin-Handbuch [kein u:access-Zugang].


Recherche im Bibliothekskatalog

Spätestens nach einem ersten Einstieg in Ihr Thema mittels Überblickstexten von mittlerer Länge sollten Sie die Bestände Ihrer Universitätsbibliothek konsultieren: Hier empfiehlt es sich, nach einem von Ihnen bereits eruierten Buch zum bearbeiteten Thema im Bibliothekskatalog zu suchen, und zwar nicht nur um zu überprüfen, ob dieses an Ihrer Bibliothek vorhanden ist, sondern auch um nachzusehen, welche Schlagworte diesem Buch von Seiten der Bibliothekar_innen vergeben wurden. Es ist durchaus möglich, dass Sie auf diese Weise auf zunächst gar nicht in Betracht gezogene Suchbegriffe hingewiesen werden, mittels derer Sie weitere Literatur zu Ihrem Thema finden können.

Bedenken Sie bitte auch, dass Bibliothekskataloge jenseits der schnellen Eingabe von Suchbegriffen im "Suchschlitz" auch sehr ausgefeilte und zielgenaue weitere Recherchemöglichkeiten zur Verfügung stellen. Nehmen Sie sich die Zeit, Hilfetexte und Tutorials zum Katalog zu konsultieren und nützen Sie auch die oft unter dem Link "erweiterte Suche" verborgenen Angebote. 

Die Bibliothek der Universität Wien bietet beispielsweise viele hilfreiche Ressourcen für die Recherche


Bibliotheksbesuch

Die bisher genannten Recherchemethoden lassen sich – soferne Sie schon über einen Bibliotheksausweis beziehungsweise über die Zugriffsberechtigung auf kostenpflichtige Angebote verfügen – ohne Ortswechsel von Ihrem Computer aus durchführen.

Zusätzlich empfiehlt sich jedoch auch das physische Aufsuchen Ihrer Universitätsbibliothek: In deren Lesesälen sind oft die Papierversionen der wichtigsten Referenzwerke aufgestellt, sie sollten den Regalen entlangflanieren und Ihren Blick den Buchreihen entlangschweifen lassen, um einen Eindruck dafür zu bekommen, welche zahlreichen Typen von Nachschlagewerken überhaupt vorhanden sind: Vielbändige biographische Lexika, allgemeine Enzyklopädien wie der Brockhaus oder die Encyclopaedia Brittanica, vielleicht auch das Standardwerk Geschichtliche Grundbegriffe, bis hin zu Ortsnamensverzeichnissen, Herrschertabellen und genealogischen Handbüchern.

Handelt es sich bei der Bibliothek um eine Freihandbibliothek, deren Bücher nach Sachgebieten systematisch aufgestellt sind, so ist es auch sinnvoll, nach einem Ihnen bereits bekannten Buch zu Ihrem Thema zu suchen und die in dessen Nachbarschaft stehenden Werke anzuschauen, weil diese vielleicht ebenfalls für Sie relevant sein könnten.