Systematische Literaturrecherche

Allgemein

Bücher und Artikel, die für Ihr Thema relevant sind, liefern Ihnen in den Fußnoten sowie im Literaturverzeichnis Hinweise auf weitere Fachliteratur, die Sie Ihrer vorläufigen Bibliographie hinzufügen können. Eine solche Vorgangsweise, bei der Sie beliebig lang in der Zeit zurück von einer Literaturangabe zur nächsten reisen und Ihre Bibliographie immer umfangreicher wird, wird als "Schneeballsystem" bezeichnet und ist selbstverständlicher Bestandteil der Literaturrecherche. Jenseits dessen ist es aber auch nötig, Literatur systematisch mittels der dafür vorhandenen Hilfsmittel zu ermitteln.

Abgesehen von der Konsultation der genannten Referenzwerke und Ihrer Universitätsbibliothek zählt dazu insbesondere die Recherche in spezifischen Literaturdatenbanken sowie in weiteren Bibliothekskatalogen.

Bevor Sie nun mit der Eingabe von Suchbegriffen loslegen, sollten Sie sich eigens dafür Zeit nehmen, die zu verwendenden Begriffe zu überlegen, und zwar nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch, da manche Datenbanken englische Schlagwörter vergeben; je nach gewähltem Thema können auch Begriffe in weiteren Sprachen sinnvoll sein. Notieren Sie sich diese und vermerken Sie dabei auch, zu welchem Zeitpunkt Sie danach in welcher Datenbank bzw. in welchem Katalog recherchiert haben!

Sie werden im Laufe der Recherche und der Sichtung der Literatur wahrscheinlich auf weitere Begriffe stoßen, mit denen Sie neue Literaturhinweise finden können; gerade im Bereich der Geschichte, die im Gegensatz zu manchen Naturwissenschaften keine starres Fachvokabular kennt, sondern in der Begriffe ihre Bedeutung verschieben, sich ändern oder es viele Synonyme gibt, ist keineswegs sichergestellt, dass Sie alle relevante Literatur mit einem einzigen Begriff oder einer einzigen Kombination finden; auch die von Bibliothekar_innen vergebenen Schlagwörter ändern sich im Laufe der Jahrzehnte und sind von Katalog zu Katalog oder Datenbank zu Datenbank nicht ident; auf Grundlage der unterschiedlichen Beschlagwortung für denselben Sachverhalt ließen sich zuweilen eigene Abhandlungen verfassen! 


Fachspezifische Datenbanken

Im Bereich der Geschichtswissenschaften gibt es eine Reihe von bibliographischen Datenbanken, die nicht nur selbständige Literatur – also Monographien, Sammelbände, manchmal auch Hochschulschriften wie Dissertationen – sondern auch unselbständig erschienene Artikel aus Zeitschriften oder Sammelbänden verzeichnen. Manche dieser Datenbanken sind kostenfrei zugänglich, andere wiederum sind nur über Ihre Bibliothek per Fernzugriff aus benutzbar; im Gegensatz zu den im Bibliothekskatalog zur Verfügung gestellten Suchoptionen und Informationen bieten einige dieser Datenbanken sehr präzise Filtermöglichkeiten für Ihre Suche an: In Historical Abstracts [Sie müssen sich anschließend über u:access anmelden], einer der wichtigsten Datenbanken für Historiker_innen, etwa können Sie sehr exakt den behandelten Zeitraum auswählen und bekommen obendrein zu den meisten Treffern ein so genanntes Abstract geliefert, also eine englischsprachige Zusammenfassung des referenzierten Textes.

Ein Verzeichnis von fachspezifischen Datenbanken und deren Zugangsmodalitäten finden Sie in der Regel auf der Homepage Ihrer Universitätsbibliothek; es empfiehlt sich, dass Sie sich einen Überblick über das reichhaltige Angebot der vorhandenen Datenbanken verschaffen und dass Sie sich insbesondere darüber informieren, welche Inhalte die jeweilige Datenbank abdeckt: Historical Abstracts [Sie müssen sich anschließend über u:access anmelden] etwa umfasst geschichtswissenschaftliche (keineswegs nur englischsprachige!) Literatur, die den Zeitraum vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart behandelt, für alle Länder außer den USA und Kanada. Letztere Gebiete werden von der Datenbank America: History and Life [kein Zugriff über u:access] abgedeckt.

Weitere wichtige Datenbanken sind die Historische Bibliographie Online, die deutschsprachige geschichtswissenschaftliche Literatur seit 1990 erfasst (derzeit nur Betaversion vorhanden), die Österreichische Historische Bibliographie und die Bibliographie der Schweizergeschichte. Auf Literatur zu bestimmten Epochen spezialisiert sind die International Medieval Bibliography [über u:access] und – für die Altertumswissenschaften – Gnomon Bibliografische Datenbank.

Genauso wie im Falle des Bibliothekskatalogs sollten Sie es bei den Datenbanken nicht bei der schnellen Eingabe von ein paar Suchbegriffen in der Hoffnung auf ein halbwegs brauchbares Ergebnis belassen, sondern sich zumindest kundig machen, welche Möglichkeiten der erweiterten Suche zur Verfügung gestellt werden; nützen Sie auch etwaige von Ihrer Bibliothek angebotene Schulungen, denn selbst, wenn Sie sich für einen Recherche-Profi halten, werden Sie dort zumeist neue Tipps und Tricks lernen können.


Google Scholar

Wenn man eine mittels einer allgemeinen Suchmaschine wie Google vorgenommene Recherche mit der Verwendung eines Holzhammers vergleicht, so stellt die Benützung des auf wissenschaftliche Inhalte spezialisierten Google Scholar schon ein etwas feineres Werkzeug dar. Dies kann zwar in der Qualität seiner Treffer nicht immer mit den Datenbanken mithalten und diese nicht ersetzen, sollte aber doch für eine wissenschaftliche Recherche herangezogen werden.


Verbundkataloge und weitere Bibliothekskataloge

Der Katalog Ihrer Universitätsbibliothek verzeichnet zwar eine große Menge an Literatur, trotzdem aber sollten Sie auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, in den Beständen mehrerer Bibliotheken gleichzeitig zu recherchieren, um ein größeres Pool an bibliographischen Daten durchforsten zu können. Die einzelnen Regionen bzw. Staaten des deutschen Sprachraums bieten solche Verbundkataloge an, als Beispiele seien der

Bibliotheksverbund Bayern, der Kooperative Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg, der Österreichische Bibliotheksverbund sowie der Informationsverbund Deutschschweiz genannt. Je nach von Ihnen gewähltem Thema kann auch eine Recherche in einem spezifischen weiteren Bibliothekskatalog sinnvoll sein: So waren manche Bibliotheken in der Vergangenheit auf bestimmte so genannte Sondersammelgebiete spezialisiert – die Bayerische Staatsbibliothek etwa auf Geschichte, die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen auf Großbritannien und Irland –, während in anderen Staaten teils schon Jahrhunderte existierende Nationalbibliotheken den Anspruch erheben, das gesamte Schrifttum des jeweiligen Landes zu sammeln: So bietet sich für eine Recherche zu einem Thema der französischen Geschichte selbstverständlich der Catalogue général der BnF, also der französischen Nationalbibliothek an.


Virtuelle Bibliothekskataloge

Sie suchen nach einem bestimmten Buch, dieses ist aber nicht an den sonst von Ihnen verwendeten Bibliotheken verfügbar? In diesem Fall ist die Recherche in einem so genannten virtuellen Bibliothekskatalog sinnvoll: Während die bereits erwähnten Verbundkataloge zumeist auf eine bestimmte Region beschränkt sind, bieten virtuelle Bibliothekskataloge wie der Karlsruher Virtuelle Katalog oder WorldCat die Möglichkeit, gleichzeitig in den Beständen ganz unterschiedlicher, über die Welt verstreuter Bibliotheken zu recherchieren.

Im Gegensatz zu den einzelnen Bibliothekskatalogen bieten derlei virtuelle Kataloge nur eingeschränkte Suchoptionen an, da die Architektur der abgefragten Bibliotheksdatenbanken oft unterschiedlich ist. Sie eignen sich daher auch weniger für eine gezielte thematische Recherche, sondern eher dafür, einen Bestandsnachweis für ein bestimmtes, Ihnen schon bekanntes Buch ausfindig zu machen.


Zeitschriften

Suchen Sie etwa einen in einer Zeitschrift erschienenen Artikel, empfiehlt sich eine Recherche nach dem jeweiligen Zeitschriftentitel in der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek: Diese verzeichnet nicht nur, welche Zeitschriften digitalisiert zur Verfügung stehen, sondern sie informiert auch, welche Bibliotheken Lizenzen in den Fällen angekauft haben, wenn der Zugriff auf die Artikel einer Zeitschrift kostenpflichtig ist. Sie können damit zum einen auf Angebote von DigiZeitschriften oder JSTOR zugreifen, wobei es sich um Einrichtungen handelt, die in großen Ausmaß retrospektiv wissenschaftliche Zeitschriften digitalisiert haben, zum anderen auf die Angebote der wissenschaftlichen Verlage wie Vandenhoeck & Ruprecht, de Gruyter, Oxford University Press. Zu den weiteren Anbietern elektronischer Texte gehören Bibliotheken, die Österreichische Nationalbibliothek etwa ermöglicht unter anno.onb.ac.at den Zugriff auf Fachzeitschriften wie Zeitgeschichte oder Frühneuzeit-Info, wenn auch mit einer so genannten "Moving Wall", das heißt, die jeweils letzten Jahrgänge stehen dort nicht zur Verfügung.


Zeitschriftentiteldatenbanken

Sie suchen nach einem Zeitschriftenartikel und werden bei der Suche nach der Zeitschrift weder in Ihrem Bibliothekskatalog noch in der EZB fündig? Dies ist der richtige Moment, die Zeitschriftendatenbank (ZDB) zu verwenden: Diese verzeichnet Zeitschriftenbestände an mehr als 3000 deutschen und österreichischen Bibliotheken, wobei Sie beachten müssen, dass nicht die Angaben zum jeweiligen Artikel, sondern nur zum Titel der Zeitschrift vorhanden sind, mitsamt der Information, welche Jahrgänge davon sich im Bestand der jeweiligen Bibliothek befinden. Auf diese Weise können Sie auch seltene Zeitschriftentitel ausfindig machen und den gesuchten Artikel dann mittels Dokumentenlieferdienst oder Fernleihe bestellen.